am 28./29. Juni 2003
Der schmucke Badeort Wilhelmsbad, ab 1777 auf dem Gelände eines Steinbruchs von Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel unweit Hanaus errichtet, zählte einst zu den luxuriösesten Badeanlagen Europas. Finanziert wurde all die Pracht aus den „englischen Subsidiengeldern“, die der Prinz erstmals 1776 durch die Vermietung seiner Soldaten an seinen Vetter, dem englischen König Georg III., erhielt. Der König griff das Angebot seiner hessischen Verwandtschaft gerne auf, denn in seinen amerikanischen Kolonien bahnte sich ein kriegerischer Konflikt an.
Bereits zwei Jahre später investierte Wilhelm 8.000 Gulden aus dem erwirtschafteten Geldsegen in seinen mondänen Badeort Wilhelmsbad. Der Blutzoll seiner Untertanen klebe an diesen Gebäuden, meldeten sich schon bald kritische Zeitgenossen zu Wort.
In der Tat, der Soldatenhandel wird in der Geschichtsrezeption seit dem 19. Jahrhundert äußerst kritisch beurteilt. Insbesondere die nach Amerika „verkauften Hessen“ hätten mit ihrem Blut die Schatzkammern ihrer Landesherren gefüllt, lautet der Vorwurf. Die aufgeklärte literarische Öffentlichkeit des späten 18. und frühen 19. Jahrhundert greift diese Polemik auf, die wiederum eingeht in eine deutsch-national gefärbten Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts.
Was versteht man eigentlich unter Soldatenhandel? Was bedeuten die von vielen Fürsten des 18. Jahrhunderts abgeschlossenen Subsidienverträge für den Staatshaushalt ihres Territoriums? Wie stellt sich die militärische Situation ab der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Europa dar? Was bedeuten Heerwesen und Wehrverfassung für ein Territorium, wie die Landgrafschaft Hessen-Kassel oder gar die kleine Grafschaft Hanau? Welche Auswirkungen hatte der Soldatenhandel auf die Landgrafschaft bzw. das spätere Kurfürstentum Hessen-Kassel?
Fragen, die ihm Rahmen eines Aktionswochenendes im Comoedienhaus Wilhelmsbad von Historikern, Soziologen und der interessierten Öffentlichkeit diskutiert werden sollen. Im Zentrum des Interesses steht eine kritische und aktuelle Auseinandersetzung mit einem Thema, das es wert ist, durch eine heutige unvoreingenommene Geschichtswissenschaft einmal nüchtern betrachtet zu werden.
Nach der Auftaktveranstaltung im Comoedienhaus, die der theoretisch-kritischen Reflexion gewidmet ist, steht der Samstag Nachmittag und der Sonntag ganz im Zeichen der Praxis. Mitglieder der Gesellschaft für Hessischen Militär und Zivilgeschichte e.V. führen den interessierten Besucherinnen und Besuchern „Revuen“ vor. Darunter sind exakt rekonstruierte militärische Szenen, wie z.B. Aufmärsche, Drill, Gefechtsdarstellungen, Wachwechsel und Militärstrafen zu verstehen.
| 10.00-10.30 Uhr | Kurfürst Wilhelm und der Soldatenhandel in der
Grafschaft Hanau. Die Soldatenhandelstradition und deren vorläufiges
Ende. (Prof. Dr. Inge Auerbach, Marburg)
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| 10.30-11.00 Uhr | Waffentechnik und Heerwesen im Zeitalter der
Kabinettskriege, Wehrhaushalt und Wehrverfassung in Hessen (Marcus Jae,
Hanau)
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| 11.00-11.30 Uhr | Politische Situation im Europa des 18. Jahrhunderts,
Situation in Hessen (Dr.
Ludolf Pelizaeus, Mainz)
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| 11.30-12.00 Uhr | Diskussion
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| 12.00-12.30 Uhr | Pause mit Imbiss
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| 12.20-13.00 Uhr | Hanauer Journale im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
(Dr. Manfred von Gall, Hanau)
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| 13.00-13.30 Uhr | Zeitgenössische Kritik am Soldatenhandel –
heutige Einschätzung (angefgragt: Rainer von Hessen)
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| 13.30-14.00 Uhr | Deutsch-amerikanische Kontakte in der Folge des
Soldatenhandels heute (Werner Kurz, Hanau)
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| 14.00-14.30 Uhr | Diskussion |
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Veranstalter: |
Verwaltung
der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen |
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Ort der Veranstaltung: |
Comoedienhaus Wilhelmsbad, Staatspark Hanau-Wilhelmsbad |
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Schirmherr: |
SKH Landgraf Moritz von Hessen (angefragt) |
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Bewerbung: |
„Hanauer Anzeiger“, Druck & Verlag |
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Zielgruppe: |
Die Veranstaltung richtet sich vor allem an die Hanauer Bürgerinnen und Bürger aber auch an ein überregionales interessiertes Fachpublikum |
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Zusammengestellt von: |
Heidrun Merk M.A. und Markus Jae |
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Stand: |
04. März 2003 |