"Militär in alten Mauern"

Historisches Biwak der
 Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte e.V. 

zum Tag des offenen Denkmals in Amöneburg
am 13. und 14. September 2003, 10 - 17 Uhr

 

 

Historischer Hintergrund

 

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Das Gefecht an der Brücker-Mühle am 21. Sept. 1762

 

1. Die Vorgeschichte:

Der von 1756-1763 dauernde 7jährige Krieg. den das Königreich Preußen gegen Österreich, Rußland und Frankreich führte, hat auch in Hessen tiefe Spuren hinterlassen. Während der Preußenkönig Friedrich II. (der Große) gegen Österreich und Rußland nahezu allein stand, kämpften im Westen Deutschlands seine Verbündeten gegen die Franzosen. Letztere waren bereits im Juli 1756 in Hessen eingerückt, um von hier aus gegen das zu England gehörende Königreich Hannover vorzugehen.

 Befehlshaber der mit den Preußen verbündeten Westarmee, bestehend aus hannoverschen, braunschweigischen, hessischen, später auch englischen und anderen Truppenkontigenten, war Herzog Ferdinand von Braunschweig, der Schwager des Preußenkönigs. Er hat im Verlauf des Krieges durch geschickte strategische Operationen den Franzosen zum Teil empfindliche Niederlagen beigebracht, so daß Frankreich sein Kriegsziel in Deutschland nicht erreichte.

 Im Jahre 1762 faßten daher die französischen Heerführer den Entschluß, ihre beiden Hauptarmeen in Hessen zu vereinigen, um dann in gemeinsamer Stärke eine Entscheidung herbeizuführen. Diese Vereinigung sollte in der Schwalmgegend herbeigeführt werden, doch wurde dieses Vorhaben durch gezielte Angriffe der Verbündeten vereitelt und die französischen Truppenteile bis in die Wetterau zurückgedrängt. Hier kam es jedoch zur Vereinigung der beiden französischen Armeen, die nunmehr in unterschiedlichen Stoßrichtungen nach Norden vorzudringen suchten.

 Ferdinand von Braunschweig ließ daraufhin das gesamte Gebiet östlich des Ohmverlaufs, und zwar von Burggemünden flußabwärts bis Cölbe und weiter auch das nördliche Lahnufer hinauf bis Goßfelden, abriegeln und sämtliche Brücken und Flußübergänge besetzen. Weiterhin stationierte er auf der Amöneburg ein knapp 600 Mann starkes Kontigent, das mehrheitlich aus englischen Einheiten bestand. 

Da somit der Plan der Franzosen, in verschiedenen Richtungen gegen Norden vorzustoßen, nicht durchzuführen war, konzentrierten sie nunmehr ihre Hauptstoßkraft auf die Ohmübergänge. Dies führte am 21. Sept. 1762 zu einem fast 14stündigen Gefecht um den Ohmübergang an der Brücker Mühle bei Amöneburg.

 

2. Der Verlauf des Gefechtes

 Am Tage vor dem Gefecht (20. Sept. 1762) hatten die Verbündeten unter General Hardenberg auf dem Gelände östlich des Ohmübergangs 6 Bataillone Infanterie, 8 Schwadronen Kavallerie und 6 schwere Geschütze in Stellung gebracht; weiterhin errichteten sie etwa 150 m nordöstlich der Brücke eine zweiflankige und rund einen Meter hohe Erdschanze, die mit 200 Mann des hannoverschen Regiment von Estorf besetzt wurde. Die Ohmbrücke selbst war mit Balken, Steinen und Erdwerk verbarrikadiert. Eine weitere Schanze mit 6 Bückeburger 6-Pfündern befand sich auf der Höhe des Ransberges und wurde durch General Zastrow befehligt, der das Kommando für den erkrankten Hardenberg übernahm. Die übrigen Truppenteile von Infanterie und Kavallerie befanden sich hinter den Höhen im Rückraum. Der äußerste linke Flügel der Verbündeten stand bei Homberg/:Ohm, dann folgten weitere Bataillone bei Dannenrod und Schweinsberg.

 Dagegen befand sich die hauptarmee der Franzosen bei Schönbach, andere Truppenteile rechts der Lahn bei Wehrda, und der mit ihnen verbündete Prinz Xaver von Sachsen stand südwestlich von Homberg/Ohm. Bei Amöneburg brachte General Castries seine Truppen in Stellung.

Sie errichteten westlich der Ohmbrücke eine Reihe laufgrabenähnlicher Stellungen und warfen in Höhe des Übergang eine Verschanzung auf. Ihre Kanonen wurden auf den Höhen oberhalb dieser Stellung am Osthang Amöneburgs in Stellung gebracht; außerdem richteten sie auf der Westseite des Berges eine Battereistellung ein, von der aus die Stadt beschossen werden konnte. Der größere Teil ihrer Truppen war auf die Bereiche südwestlich Amöneburgs bis Roßdorf, Mardorf und Erfurtshausen verteilt.

 Die Franzosen begannen am 21. Sept. schon um 5 Uhr morgens mit der Beschießung der Stadt; gegen 6 Uhr setzt der Angriff auf die Ohmbrücke und die vor dieser liegenden Schanze ein. Schon bald waren die Barrikaden hinweggefegt, da bliesen die Franzosen zum Sturmangriff. Er scheiterte jedoch am energischen Widerstand der gegenüberliegenden Schanzenbesatzung; außerdem belegte General Zastrow von der Höhe des Ransberges das ganze Brückengelände mit dichtem Kartätschenhagel.

 In der Zwischenzeit hatte auch Herzog Ferdinand Meldung über diese Kämpfe erhalten und beorderte seinen Geschützpark von Stausebach aus in Richtung Kirchhain. Gegen 8 Uhr trafen 6 hessische 12-Pfünder von Kirchhain auf dem Kampfplatz ein und wurden am Rande des Brücker Waldes sowie oberhalb der Ziegelhütte in Stellung gebracht.

 Die Franzosen unternahmen in den folgenden Stunden weitere Sturmversuche, doch brachen diese im gegnerischen Abwehrfeuer zusammen. Die Besatzung in der vor der Brücke liegenden Schanze mußte laufend abgelöst werden. Um unnötige Verluste zu vermeiden, ließ man schließlich die einzelnen Abteilungen nicht mehr in geschlossenen Formationen, sondern einzeln hinüberlaufen.

 Am Nachmittag wurden am Südwesthang des Ransberges 6 hessische 12-Pfünder als zusätzliche Verstärkung in Stellung gebracht, die sofort in das Geschehen eingriffen. Gegen 17 Uhr stellte sich bei den 6 bückeburgischen 6-Pfündem Munitionsmangel ein, so daß sie gegen 6 hannoversche 12-Pfünder ausgetauscht wurden.

Da die Franzosen bis dahin noch immer keinen Durchbruch erzielt hatten, richteten sie nun ihre ganze Kraft auf die Schanze hinter der Brücke, die in der Zwischenzeit von den beiden hessischen Regimentern von Gilsa und von der Malsburg besetzt worden war. Bald war das aufgeworfene Erdwerk his auf Kniehöhe hinweggefegt so daß die Verteidiger ihre gefallenen Kameraden als Schutzwall auftürmten.

Nach erbittertem Kampf bliesen die Franzosen dann gegen 19 Uhr zum letzten Sturmangriff. Eine Kolonne konnte zwar über die Brücke bis dicht vor die Schanze vordringen, doch brach hier der Angriff im Abwehrfeuer der Verteidiger zusammen. Sie wichen zurück und gaben weitere Versuche auf. Gegen 20 Uhr setzte die eingebrochene Nacht dem Geschehen ein Ende. Das etwa 14stündige Gefecht hatte auch beiden Seiten 527 Tote, 136 3 Verletzte und 19 Vermißte gekostet.

 

 

3. Der Waffenstillstand am Brücker Wirtshaus

Am Tage nach dem Gefecht (22. Sept.) unternahmen die Franzosen einen Sturmangriff mit 15 Bataillonen auf das noch immer von den Verbündeten gehaltene Amöneburg und brachten die Stadt in ihren Besitz. Bereits am Tage zuvor hatten vor allem die Schloßgebäude und Türme an der Westseite des Berges unter gezieltem Beschuß gestanden, doch waren zwei Sturmversuche der Franzosen gescheitert. Nach den Vereinbarungen zwischen den gegnerischen Armeen über die Behandlung von Kriegsgefangenen wurden die Verteidiger, bestehend aus 553 Mann und 11 Offizieren, am Nachmittag östlich der Ohm zugeführt.

In den folgenden Tagen und Wochen tat sich auf Gefechtsgelände beidseitig der Ohm nichts; die gegnerischen Truppen blieben zwar in ihren Stellungen, doch kam es zu keinen Kampfhandlungen mehr.

Als dann am 3. Nov. 1762 England und Frankreich zu Fontainebleau einen Vorfrieden aushandelten und davon die französischen Generäle am 7. Nov. Kenntnis erhielten, kam es einen Tag später am Brücker Wirtshaus zu einer Unterredung der beiden Parteien.

Am 14. Nov. erhielt dann auch Herzog Ferdinand vom englischen König die Vollmacht, mit den Franzosen über einen Waffenstillstand zu verhandeln. So trafen sich am 15. Nov. 1762 auf Einladung der französischen Marschälle die Heerführer beider Seiten im Brücker Wirtshaus und schlossen Waffenstillstand. Er wurde unterzeichnet von Herzog Ferdinand von Braunschweig und den französischen Marschällen Graf d'Estrées und Fürst von Soubise, die im Anschluß den Generälen der Verbündeten ein Essen gaben; und zwar in einem Raum des Wirtshauses, dessen östliche Wand von etwa 60 Kanonendurchschlägen durchlöchert war.

Noch am gleichen Tage setzte der Abzug der französischen Truppen ein, während die Verbündeten erst zwischen dem 17. und 22. November ihre Stellung räumten.

 

(Dr. A. Schneider, 1275 Jahre Amöneburg, 1996)

 

 

 

Casualties at the Action of the Brücke-Mühle, 21 September 1762

in killed, wounded, and missing

 

 

Men

Horses

British

 

 

 

 

Grenadiers of the Guards

    7

 

 

First Guards

  50

 

 

Coldstream Guards

  30

 

 

Third Guards

  60

 

 

87th Highlanders

  33

 

 

88th Highlanders

  53

 

 

Maxwell's grenadiers

  41

 

 

Eustace's grenadiers

  42

 

 

 

316

 

 

 

 

 

Hanoverian

 

 

 

 

Cavalry

    1

 

 

Infantry (6 bns.)

289

 

 

 

290

 

 

 

 

 

Hessian

 

 

 

 

Infantry (4 bns.)

108

 

 

 

108

 

 

 

 

 

Artillery

 

 

 

 

Hanoverian (Bückeburg)

  31

  18

 

 

  31

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Total

 

745 men

18 horses

 

 

 

 

 

 

Anfahrt

Amöneburg liegt auf einem markanten Kegelberg in der Hohe von Kirchhain zwischen Marburg und Stadtallendorf. Am besten zu erreichen ist es

 -von Nordosten: Über die A 5 bis Abfahrt Alsfeld Ost, dann auf der B 62 in Richtung Stadtallendorf/Marburg.

-von Süden und Westen: über die A 45, über Gießener Kreuz, Gießener Ring (B 3) Richtung Marburg (Achtung: kurz vor Marburg ist der vierspuriger Ausbau für kurze Strecke unterbrochen), Stadtlage Marburg passieren, B 3 geht dann in B 62 Richtung Stadtallendorf/Schwalmstadt über. Straßen folgen, bis links Amöneburg auftaucht.

Unser Lagerplatz liegt an der höchsten Stelle des mittelalterlichen Stadtchens in der Schlossruine neben der katholischen Stadtkirche im windgeschützten Zwinger der Ruine, der von einigen Bäumen beschattet wird.

 

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Stand: 21. Oktober 2003