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"Zeitreise ins 18.
Jahrhundert" versteht sich nur als Historien-Darstellung und keine
Kriegs- oder
Militärverherrlichung...
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Tausende strömten heute
nachmittag durch den Park von Schloss Fasanerie vor den Toren von
Fulda... Fotos: Martin Angelstein...
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01.08.2004 EICHENZELL. Wie sahen feine Damen zur
Zeit von Goethe und Schiller aus? Welche Kleider trugen die einfachen
Leute? Warum waren Uniformen bunt, als Friedrich der Große regierte? Sind
hessische Soldaten wirklich von ihrem Landgrafen nach Amerika verkauft
worden? Antworten auf diese und viele andere Fragen gaben an diesem
Wochenende rund 150 Militär- und Zivildarsteller in zeitgenössischen
Uniformen und Gewändern auf dem Gelände von Schloss Fasanerie (Adolphseck)
bei Eichenzell in der Nähe von Fulda. Die Gesellschaft für Hessische
Militär- und Zivilgeschichte und die Hessische Hausstiftung hatte an
diesen beiden Tagen wieder zur „Zeitreise ins 18. Jahrhundert“ eingeladen.
Mit Erfolg, denn zu dieser einzigen Veranstaltung ihrer Art in ganz Hessen
kamen mehrere tausend Besucher.
Jeweils von 10 bis 18 Uhr durfte
die Öffentlichkeit am Samstag eintauchen in die Welt, wie sie vor 250
Jahren gewesen sein mag. Ausgesuchte Darsteller zeigten sich als Militär-
und Zivilpersonen der Zeit zwischen 1740 und 1786 in hessischen,
preußischen, sächsischen, französischen, englischen und schottischen
Uniformen des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) und in den Monturen der
in britischem Sold stehenden Hilfstruppen aus Hessen, Braunschweig und
Ansbach-Bayreuth im amerikanischen Revolutionskrieg (1775 - 1783) .
Militärparade und kleines Feldmanöver
Zu sehen waren
auch Darsteller der damaligen Feinde jener deutschen Söldner,
amerikanische Milizsoldaten nebst einiger indianischer Kundschafter.
Allesamt gaben Kostproben ihrer militärischen Kunst: die „Griffe kloppen“
wie vor 250 Jahren oder Waffen und Ausrüstung vorführen und erklären. Die
verschiedenen Truppen waren heute nachmittag auch im Rahmen einer kleinen
Militärparade auf dem Vorhof des Schlosses und einem Feldmanöver zu
sehen.
Zwischendurch konnten die Besucher das nach preußischem
Muster angelegte Militärlager an den Wachhäusern inspizieren, die Soldaten
beim Exerzieren beobachten oder (vielleicht) schaudernd die scharfen
Gerätschaften des Militär-Chriurgus betrachten. Die Kunst der Ingenieure
und Architekten im 18. Jahrhundert wurde wissenschaftlich fundiert
vorgeführt und vorgetragen. Und natürlich durften die Besucher auch
einigen Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter
schauen.
Kostproben klassischer Reiterei vom
"Lindenhof"
Wer mag, lustwandelte mit höfisch gewandten Damen
und Herren der Kostümgruppe „L´Age des Lumieres“ artig im Park. Die
Familie Lautze-Borschel von der Friesenzucht vom Lindenhof bei Flieden
(Kreis Fulda) dagegen gab zur Abwechslung Kostproben klassischer
Reiterei.
Diese "Zeitreise ins 18. Jahrhundert" ist nicht
vergleichbar mit den üblichen Mittelalter-Spektakuli, denn sie versteht
sich als eine unkommerzielle Veranstaltung ohne Marktbuden und Fressgasse.
Sie zielt vor allem darauf ab, Geschichte so authentisch wie möglich
lebendig werden zu lassen. Die handverlesenen Teilnehmer kommen ohne Gage
aus allen Teilen Deutschlands sowie in diesem Jahr auch aus Frankreich,
Italien, Österreich und Großbritannien. Möglicherweise hat das heiße
Wetter heute dazu beigetragen, dass sich die Reihen der Darsteller doch
rechtzeitig lichteten und man nicht so viele Uniformträger sah, wie vorher
erwartet worden war.
Klar ist jedenfalls, dass diese "Zeitreisen"
jedes Jahr ein Stück "lebendige Geschichte" sind, die vor der Kulisse von
Schloss Fasanerie auch authentisch wirken. Der Betrachter fühlt sich
tatsächlich um Jahrhunderte zurückversetzt - und erkennt hoffentlich sehr
schnell, dass der Begriff der "guten alten Zeit" auch nur eine Floskel ist
und es die Menschen heute mit Sicherheit besser haben als im 17. oder 18.
Jahrhundert.


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